How many Worlds <<< press

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Kensuke Koike Nicola Nunziata Sini Pelkki

Drei junge Künstler aus ganz verschiedenen Teilen der Welt, welche allesamt das Medium Fotografie – aber auch nicht nur dieses – für ihre Arbeit nutzen, treffen in dieser Ludwigsburger Ausstellung zusammen, welche ein Teil des diesjährigen “Fotosommers” sein soll.

Ein jeder dieser Künstler arbeitet auf ganz eigene Weise daran, seine inneren Bildwelten in die Realität umzusetzen. Dabei handelt es sich um drei künstlerische Arbeitsweisen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten.

In der Tat soll es das Ziel dieser Initiative sein, eine Gruppe von Künstlern zusammenzubringen, welche zwar alle drei aus einer in etwa gleichen Altersgruppe, dabei aber doch aus Japan, Italien und Finnland stammen, also aus sehr unterschiedlichen Teilen der Welt, und welcher ein jeder ein ganz spezielles kulturelles Erbgut und ganz spezifische Erfahrungen mit sich bringt.

Die Absicht der Ausstellung ist es dann – und eine Ausstellung betrachte ich immer als ein aus vielen Komponenten miteinder verschmolzenes Produkt, – diese drei Künstler dann vor Ort in eine neue Beziehung eintreten zu lassen,
nämlich die eines jeden mit einer vierten und für alle Beteiligten noch einmal eher fremden und daher umso spannenderen Realität, wie dies ein fremder Raum mit seiner wiederum ganz eigenen Geschichte und Vergangenheit nun einmal sein kann.

Und nicht zuletzt soll es dann, durch das gemeinsame Arbeiten an und in der gleichen Ausstellung zu vielen weiteren Gesprächen und Schnittpunkten kommen können. Kunstschaffende, Kreative aus ganz verschiedenen Welten – in einem gemeinsamen Projekt miteinander vereint.

“How many worlds”, so könnte man in der Tat dazu sagen.

Kensuke Koike aus Japan, aber seit Längerem bereits auch in Italien und in Slovenien zuhause, ist ein emsiger Experimentierer, jemand, der mit einer großen Dynamik unerläßlich völlig neue bildlliche Möglichkeiten in der Fotografie, wie aber auch im Video und der Skulptur austestet und welcher in den letzten Jahren überwiegend und gerne seine überraschenden und mittels großer handwerklicher Raffiniertheit hergestellten Kollagen dazu nutzt, Wunderbares, Aktuelles und Alltägliches aus seinem neuen Lebensumfeld Europa wie auch genauso gut uralte Traditionen aus seiner fernöstlichen Heimat Japan miteinander zu verbinden.

Der junge Neapolitaner Nicola Nunziata dagegen erzählt ganz einfach fotografische Bildergeschichten, welche zum Teil auch schon einmal an die hundert einzelne Einstellungen ausmachen, solange bis – und so lautet ja auch der Titel einer dieser Bildergeschichten – “… die Batterie leer “ ist.

Geschichten allerdings, welche uns in ihrer nicht immer nur heiteren, sondern durchaus auch harten und nackten Wahrheit, in ihren zum Teil eher düster gehaltenen Farben und Stimmungen ein Stückchen aus einer anderen Welt vermitteln, die im Grunde aber gar nicht einmal so weit enrfernt von uns liegt, und die uns nachdenken läßt, die uns durch den leidenschaftlichen und sehr mit der Materie vertrauten, oftmals geradezu liebevollen Blick des Künstlers auf die eigene Heimat und deren Bewohner tief hineinsehen läßt in die Bräuche und mitunter auch in die Probleme der anderen, welche ja doch durchaus auch unsere eigenen Problematiken berühren könnten.

Und dann ist da Sini Pelkki aus Finnland, einem Land mit einer besonders großen Tradition und Schule der Fotografie und des Videos, vor allem der letzten Jahrzehnte zeitgenössischer Kunstproduktion. Ihre Bilder und Videos, welche wiederum aus zumeist einzelnen Fotos entstehen, erzählen uns allesamt eine Art “innerer Traumlandschaften”. Es handelt sich dabei um wunderbare stille Phantasien, um Abwesenheiten, manchmal beinahe nur noch Andeutungen gleich, bei denen der Kontrast zwischen einer auf beinahe allen Bildern zu findenden übergrossen ästhetischen Schönheit und einer gleichwohl ausgestrahlten Einsamkeit und offensichtlich bewußt gewählten Distanz sehr berührend wirkt.

“In der Fotografie interessieren mich die kleinen, beinahe unsichtbaren Dinge, welche zu einem Bild dazugehören. Das kann auch schon eine Kante sein oder eine Grenze – das was normalerweise außerhalb des Rahmes bleibt oder zum Teil auch ganz und gar unsichtbar ” erzählt uns die Künstlerin selber zu ihren Arbeiten.

In der Tat, eine erstaunliche, magische und manchmal nahezu an die Kunst des Surrealismus erinnernde Experimentierfreudigkeit mit fotografischen Möglichkeiten wird uns hier mit großer technischer Bravour vorgeführt und ruft mit ihren verblüffenden Effekten auch eine große Erwartungshaltung an die Weiterentwicklung dieser Kunst hervor.

In erster Linie handelt es sich aber wohl immer, bei jedem einzelnen der Bilder Sini Pelkkis um sehr eigenwillige psychologische Selbstportraits mit einer ganz großen Ausstrahlungskraft und Tiefe, die aber auch ihre Heimat Finnland nicht ganz aus dem Spiele lassen.

Venezia 2010